Ein paar Stunden vor der Geburt:
ich sitze hier im Kreissaal und warte auf das, was kommt. Und was schon mal zu spät kommt, das ist mein Schatz. Ich bin hier nämlich schon seit ca. 7:30 Uhr und er kommt erst gegen 10 Uhr.
Aber es war ja auch nichts passiert.
Der Kreissaal war angenehm in pastelligen Farben, nicht zu medizinisch, aber auch nicht so heimelig. Früher habe ich mir so etwas immer gekachelt bis oben vorgestellt, kalt, weiß, nüchtern. Hat sich viel getan in den Krankenhäuser. Man versucht, es uns Frauen wenigstens optisch angenehm zu maschen.
Nach der ruhigen Nacht ohne Abendessen oder Frühstück legte ich mich hier hin. Wehenschreiber wurde angeschlossen. Mein Schatz kam im wahrsten Sinn des Wortes angesaust. Es ist noch mal ganz kurz in eine Radarfalle gesaust. Er, der seit 30 Jahren in keine mehr gefahren ist.
Gespannt warten wir. Gehen spazieren. Wehentropf. Nichts tut sich. Keine Wehen.
Ich komme an den Wehentropf. Bekomme 3x Antibiotika. Keine Wehen. 40, Steigerung auf 50, 60, 70 Einheiten. Bei der Menge krümmen sich andere werdende Mütter mit Schreikrämpfen über den Boden. Ich drehe Däumchen. Was jetzt?
Ich habe die Hebamme, die mich schon beim Geburtsvorbereitungskurs vor einer "normalen" Geburt gewarnt hat. Konisation (hierbei wird ein Stück Gebärmutterhals raus geschnitten aufgrund eines PAP-Testes mit Ergebnis 4). Hierbei, sagt sie, könnte der Gebärmutterhals vernarbt sein. Manchen Frauen würde dann bei der Geburt der selbe regelrecht gesprent. Manche würden dann auch leider so starke Blutungen haben, daß sie leider verblutet wären.
Das habe ich aber an diesem Tag verdrängt. Vielleicht denkt aber mein Kind daran, es will absolut nicht in den Geburtskanal.

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