Mittags auf der Autobahn kam der Anruf, daß Romy sich im Kiga beim Sprung (Sturz) von der Außentreppe den Mund verletzt hat. Adrenalin. Ich werde zwar sofort beruhigt, es ist nicht so schlimm. Aber ich sollte doch schnell kommen und Romy auch vom Arzt ansehen lassen.
Gut, daß ich schon fast zu Hause bin. Romy sitzt auf Christine's Schoß und läßt sich trösten. Die Tränen sind schon fast wieder trocken, aber als sie mich sieht, weint sie ... und ich könnte mit ihr Weinen.
Der Mund ist wirklich ganz schön aufgeschlagen, daß muß sehr weh getan haben. Ich nehme sie in den Arm und halte sie ganz lieb.
Tröste sie, lasse mir erzählen, was passiert ist.
Und dann geht es zum Arzt. Der guckt außen, guckt nach den Zähnen. Alles in Ordnung, es wird ein paar Tage brauchen zum Heilen, aber sonst keine Probleme.
Einziges Problem, das Romy sieht: sie kann ihren Schnulli nicht mehr in den Mund nehmen. Es tut zu sehr weh.
Muttern ist nicht dumm, ich sehe meine Chance, den Schnulli los zu werden. Immerhin ist Romy ja schon 3 Jahre und fast 1 Monat.
Als wir heimfahren, schläft sie erschöft ein. Ich bette sie aufs Sofa und lasse sie schlafen. Sammle im Haus immerhin 5 Schnuller ein.
Am nächsten Tag geht es immer noch nicht, der Schnuller tut weh, wenn Romy ihn in den Mund stecken will.
Zögere, aber, doch, ja, ich mache es. Weg damit.
Ich fahre mittags zum Einkaufen und besorge 5 schöne T-Shirts, mit viel Glitzer, das liebt sie. Für jeden Schnulli einen. Dann bereite ich den "Abschied" vor.
Wir wohnen an einem kleinen Fluß. Ich mache für mich eine Zeremonie daraus. Abends, als sie schläft, gehe ich auf die Brücke. Papa findet das albern, er kommt nicht mit. Aber ich trenne mich ja schließlich von Gefährten, die uns lange begleitet haben. Ich lasse jeden Einzeln mit einem Dankeschön in den Fluß plumpsen.
Sie schwimmen in Kette davon.
Da wird einem ganz wehmütig ums Herz. Aber einen zum Andenken aufheben, das wäre weder appetitlich noch sicher. Wenn Romy den gefunden hätte, wäre der Effekt dahin.
Als Romy aufwacht und den Schnulli vermißt, gibt es erst mal Tränen. Ich erzähle ihr, saß die Schnullerfee da gewesen wäre. Sie könnte ja mal gucken, auf der Terasse. Tatsächlich, da liegen ja Geschenke.
Romy ist nur halb getröstet...aber es gibt in den folgenden Tagen tatsächlich kaum Probleme, und das obwohl sie doch so sehr am Schnulli hing.
Klasse.
Es gibt solche Freunde und solche .... alle Freunde, die Romy hat, sind echt lieb und klasse, manche sind aber besonders pflegeleicht. Da läuft der Spielnachmittag ohne Zickereien oder Verwundungen. Max ist so ein Freund. Allerdings läßt er sich auch von Romy sagen, wo es lang geht ;-)

Romy ist ganz schön schräg drauf. Sie ist sauer, so sauer, daß sie einfach einen Teller vom Tisch nimmt und ihn auf den Boden wirft. Peng...1000 Teile...Sand.
Und dann nachts:
Besonders, wenn sie ihr Fläschchen haben will, muß alles nach ihrer Vorstellung gehen:
wir gehen nachts runter, Bärli und der Schuller fehlt
also wieder hoch, beides holen
als wir wieder in der Küche sind, fehlen Socken
hoch, "wir" nehmen die falschen mit
also wieder hoch, die getragenen schmutzigen holen
Hört sich albern an, aber die Wahl wäre, Montag morgens um 3:38 Uhr riesiges Gebrüll - mit der Konsequenz, daß sie nicht mehr schläft.
Und mein Wecker klingelt um 4:22 Uhr. Aufstehen.
Aber der Vorsatz ist ok: das macht sie nicht nochmal mit mir. Also kann ich auch wieder mit mir zufrieden sein. Nicht kirre machen lassen, das wird besser. Jede Reise beginnt mit einem ersten Schritt.
