Eltern bekommen meiner Meinung nach das Kind genau so, wie es zu Ihnen passt. Na ja, Ausnahmen gibt es natürlich immer. Romy habe ich so bekommen, wie sie zu mir passt.
Als sie noch ein Baby war konnte ich es kaum erwarten, bis sie wach war. Kein Wunder, ich habe ja sehr schnell wieder das Arbeiten angefangen. Und gerade Samstags und Sonntags habe ich mich gefreut, wenn sie mir morgens um halb sechs die Ärmchen entgegen gestreckt hat.
Und da ich sonst unter der Woche schon um 4:15 Uhr aufstehen muß, war das schon wie ausschlafen.
Jetzt wäre es schon hin und wieder so, daß ich gerne mal liegen bleiben möchte. Aber Pustekuchen. Wir haben feste Traditionen. Mann möge es mir nachsehen, als sie älter als zwei Jahre war haben wir Sonntag morgens mit Genuß erst Kinderstunde geguckt und dann gespielt.
Jetzt lese ich meistens, während sie "Check ein Check ein" in der ARD guckt.
Und dann kommt wieder "Mama, spielen". Ich weiß, ich bin fürchterlich. Aber meinetwegen könnte sie dann gerne weiter fernsehen.
Spielen kostet mich fast schon Überwindung. Ich habe mal gehört: Wenn man als Kind bei den Brettspielen oft verloren hat, dann mag man sie als Erwachsener auch nicht.
Und ich habe wohl ständig verloren gegen meine zwei Freunde, die beide ein Jahr älter waren.
Also muß Sonntags, wenn er gegen 9 Uhr ausgeschlafen hat, der Papa ran. Der spielt nämlich meist sehr gerne mit seiner "Schnecki".
Lukas ist Romy's Freund. Man könnte meinen, ihr zukünftiger Ehemann. Ist klasse den beiden zu zusehen. Er hilft ihr mal immer wieder, wie ein Gentleman. Obwohl er eigentlich ein wilder Rabauke ist.
Aber wenn er ruft "Schnecki, komm doch ..." könnte ich mich wegwerfen. Unsere Romy hat viele Kostenamen, aber Schnecki ist doch der am häufigsten benutzte.
Oder kleiner Schatz, weil ja Papa der große Schatz ist. Vor fast fünf Jahren ist mir damals nach ihrer Geburt einiges eingefallen, der Verwandschaft natürlich auch: Schnucki, Vögelchen oder auch Haifisch, weil sie so nach der Brust schnappte.
Und Schnecki ist so schön wandelbar: von Liebschneck bis Blödschneck ist da alles drin ;-))
Wie schön eine große Familie sein kann sehe ich immer wieder bei meinen Freunden Claudi und Achim. Beide haben aus der ersten Ehe jeweils ein Kind von über 18 Jahren und zusammen noch 4 Kinder, die jetzt alle zwischen 11 Monaten und 7 Jahren sind, alle im Abstand von zwei Jahren.
Als ich Freitag Nachmittag angerufen habe, war schon Romy's Freund Lukas mit Mutter Simone da.
Meine Freundin Claudi meinte nur "Kommt doch auch". Lukas und Romy und Claudi's Paul und Lea sind zwischen 4 und 6 Jahren und alle recht wild. Und alle in einem Kindergarten.
Dazu kommt noch, daß Claudi's Katze Tieger 4 Katzenbabys hat, ca. 5 Wochen alt.
Also ist da garantiert jede Menge Leben in der Bude. Und das macht mir Spaß. Mit 4 kleineren Kindern hat man ja auch nur eine Chance: kühlen Kopf bewahren. Und die Famielie strahlt insgesamt eine ruhige und gelassene Atmosphäre aus. Familiär eben.
Es ist wieder passiert, Bärli ist weg. Romy's Bärli, der Bärli, ihr absolut liebster Weggefährte. Ausgerechnet bei Oma und Opa. Wir waren nachmittags dort. Romy ist mit ihrem Papa hinter das Haus gegangen, weil auf dem Nebengrundstück Schafe sind.
Als sie wieder auf dem Grundstück sind, haben sie Bärli noch. Romy hat ihn noch, aber danach verliert sich jede Spur. Man könnte meinen, er ist nicht im Haus angekommen. Wir haben es auch erst zwei Stunden später gemerkt, als wir heimfahren wollten.
Ich wollte nicht weg, weil die Chance, etwas zu finden, immer schlechter wird, jemehr Zeit vergeht. Ich wollte so lange bleiben, bis wir ihn wieder haben. Wir mußten so fahren.
Opa hat noch nachts alles im Haus umgedreht, Tante Christel und er haben alles im und um das Haus umgedreht. Nichts.
Ich habe ihn die letzen 4 Jahre wohl mindestens 400 Stunden gesucht. Er ist immer wieder aufgetaucht, hoffentlich auch jetzt wieder. Bärli
war schon mal 14 Tage im Kindergarten unerkannt verreist. Nach zwei Wochen saß er ganz unschuldig oben auf einem Berg Spielzeug. Ich hatte Steckbriefe mit Bild an die schwarzen Bretter gemacht, das hatte wohl geholfen
war schon mal einen Nachmittag bei Woolworth zwischen den Kinderklamotten auf dem Boden
lag schon einige Stunden auf Menorca in einem Regal im Supermarkt, mit einem Schnuller als Gesellschaft
war schon eine Woche bei uns im Haus versteckt. Er lag unter meinem Bett, obwohl ich da auch ganz sicher nachgesehen hatte
habe ich schon 400 mal stundenlang bei uns im Haus gesucht, da war er immer mal nur ne Stunde weg
habe ich schon zig mal irgendwo abgeholt, wo wir ihn vergessen hatten
hätte eigentlich immer behandelt werden müssen wie meine zweites "Kind", ich hätte immer Anwesenheitskontrolle machen müssen
Nun ist er ausgerechnet auf bekannten Gebiet verschwunden und nach vielen Stunden des Suchens ist er nicht aufgetaucht. Die Frage ist: wenn er wieder auftauchen würde, würde ich ihn nicht gleich am liebsten in eine Erinnerungskiste sperren, nie wieder Suchen?
Nicht nur Romy vermißt ihn, ich ebenso.
Bitte Bärli, tauch wieder auf...
Bärli vor 5 Jahren:
Man möchte es nicht glauben, aber dies ist tatsächlich schon unser 3 Laternenumzug im Kindergarten.
Romy ist um 15:30 Uhr im Kiga verschwunden, hier wurde für die Kinder ein Kasperle-Theater organisiert, danach gab es Waffeln.
Erst ab 17:30 Uhr sollten dann die Eltern im Hof ankommen, mit den Laternen. Die Kinder singen uns dann nach Gruppen ihre Lieder vor und dann marschieren alle den Berg hoch auf unseren Festplatz. Die Feuerwehr, die uns zur Freude der Kinder mit Blaulicht begleitet, hat oben schon ein Feuer angezündet, Tische mit heißen Würstchen und heißen Getränken sind vorbereitet. Eltern, die sich hier für eine Dienststunde verpflichtet haben, schenken aus.
will heissen: wenn ich ruhig und gelassen bin, ist es Romy meistens auch.
Ganz deutlich merke ich das beim Abholen. Wenn ich Romy vom Kindergarten abholen möchte, wenn ich hungrig bin, Streß mit Kollegen hatte, müde bin, gibt es fast zu 100% Zoff.
Das ist so, als wenn sie es richen würde und dann voll darauf einsteigt:
- Nein, sie will noch nicht mit
- Nein, sie will nicht in ihren Autositz
- Nein, sie möchte nicht angeschnallt werden
- Nein, sie will jetzt nicht einkaufen
- Nein, sie möchte nicht aussteigen
- Nein, sie möchte nicht das Essen, was ich gekocht habe
- Nein, sie möchte sich nicht ausruhen
- Nein, mit diesen Kindern will ich heute nicht spielen
Und an anderen Tagen klappt es hervorragend:
- wenn ich gesättigt an den Kindergarten komme
- wenn ich mir ausreichend Zeit eingeplant habe
- wenn ich entspannt bin (soweit man nach 6 Stunden arbeit davon reden kann, und 2 mal 45 Minuten Autobahn, nicht vergessen, ich verlasse jeden Morgen um 5 Uhr das Haus)
- wenn ich nicht schon sauer auf jemand anderes bin
- wenn ich für den Nachmittag eine Idee habe, wie ich mein Kind beschäftige
Es passiert nicht oft, aber seit ein paar Wochen immer öfter. Romy schlüpft in meine Rolle und "schmeißt" den Haushalt.
Sie räumt auf. "Warum liegt das denn schon wieder hier, warum seid Ihr nicht ordentlicher! Papa, Du hast die Fernbedienung auf der Couch liegen lassen, und was macht der Teller hier? Hmpf, immer muß ich aufräumen".
Sie macht das dann auch ganz toll und räumt alles auf den richtigen Platz. Gestern hat sie auch die Küche gekehrt, es waren viele Krümel am Boden. Sie hat gefragt "Können wir jetzt endlich ne neue Wohnung kaufen, eine saubere?".
