Wie spricht man über das Sterben, noch dazu, wenn einem der Opa Nick gerade unter den Händen wegstirbt? Romy und ich waren gerade auf der Intensievstation, die ganze Familie, um den Opa zu sehen. Er liegt dort im künstlichen Koma und wird uns leider bald verlassen. Romy wollte von sich aus nochmal nach dem Opa sehen. Da sie ihn letzte Woche auch schon mit Schläuchen gesehen hat, habe ich zugestimmt. Auch wenn die Intensievmedizin evtl. erschreckend wirken könnte ... Ich will sie auf sanfte Weise integrieren. Sie weiß, daß es dem Opa nicht gut geht, und seit heute weiß sie auch, daß er sterben wird. Sie soll nicht plötzlich merken, der Opa ist fort, sondern eine Chance haben, sich zu verabschieden. Wie wir auch ... wir denken an Dich!
Nikolaus Burger, * 18. Juli 1922, † 20. Mai 2006
Gestorben ist er am 20. Mai 2006. Gegen Mittag war er erlöst.
Gerechnet hat keiner von uns damit, als er vor 3 Wochen wegen Problemen mit seinem Zwölffingerdarm-Geschwür ins Krankenhaus mußte. Er hatte Angst vor dem Krankenhausaufenthalt, Angst vor einer Operation.
Hier zur Erinnerung der traurige Ablauf der letzten 3 Wochen:
- Am 30.04.2006 begann für ihn ein fürchterliches Brechen und Würgen. Zweimal wurde der Notarzt gerufen, weil er Blut gespuckt hat und einen enormen Flüssigkeitsverlust hatte, den er nicht ausgleichen konnte. Der eine Notarzt verschrieb ein Mitel, das Kinder bei Brechdurchfall nehmen, der zweite am anderen Tag unternahm gar nichts
- Auf Betreiben der Familie ließ er sich am Sonntag ins Krankenhaus bringen, dort erhielt er sofort Infusionen
- Montag war ich das erste mal bei ihm. Ich habe ihn gefragt, wann ich ihn denn Nachhause bringen kann, er hat nur abgewinkt
- Die Ärzte haben im laufe der ersten Krankenhauswoche viele Untersuchungen gemacht, 4 Magen/Darmspiegelungen und zuletzt eine CT-Untersuchung
- Donnerstag , den 11. Mai hat meine Schwester einen großen Teil seiner Kleidung abgeholt, weil er schon wieder Zwieback knabberte und die Aussicht auf Entlassung bestand
- Freitag, den 12. Mai sah es ganz anders aus. Er war schwach, bekam Sauerstoff und röchelte beim Sprechen. Der Arzt meinte, eine OP wäre dringend notwendig, weil ein Loch im Darm wäre, das aber so gut wie dicht wäre, weil die Leber darauf liegen würde. Durchbrüche in die Bauchhöhle mit der Entwicklung einer Bauchfellentzündung wären in den nächsten Tagen die Folge. Er hätte ohne OP keine 5 Tage Lebenserwartung, sagte der Arzt. Nick hat sich gewehrt, er wollte nicht. Wir haben ihn gedrängt und gesagt, wir bräuchten ihn doch noch. Er solle doch zustimmen. Später unter Beruhigungsmitteln hat er Ja gesagt. Die Chirugen wurden gerufen, er wurde für eine Not-Op fertig gemacht
- Samstag, den 13. kam der Anruf, daß wegen seinem schlechten Allgemeinzustand keine OP erfolgen konnte. Er wurde in ein künstliches Koma versetzt. Er hat Wasser in der Lunge, ein Arzt meine Lungenentzündung, ein andere meine: keine Lungenentzündung
- Sonntag hieß es, es ginge ihm einen Tick besser
- Montag hat uns beim morgendlichen Telefonat der Oberarzt in zwei Sätzen mitgeteilt, daß ein Organversagen bevor stehen würde und daß er sterben wurde. Das wurde meiner Mutter kurz und knapp telefonisch un 7:30 Uhr mitgeteilt. Wir sind daraufhin mit Rollstuhl-Taxi ins Krankenhaus.
- Dienstag hieß es, es geht einen Tick besser. Ich bin ins Krankenhaus, die Assistenzärztin teilte mir sehr ausführlich mit, daß er die Station nicht lebend verlassen würde. Da keine Patientenverfügung existierte würden die Ärzte und weitere Spezialisten entscheiden, wann eine weitere Therapierbarkeit nicht mehr möglich wäre. Ich habe den katholischen Krankenhauspriester Pius gebeten, eine Krankensalbung durchzuführen, die er in einer wunderschönen Zeremonie durchgeführt hat. Praktisch ein kompletter Gottesdienst für Nick. Das war sehr bewegend
- Mittwoch habe die Ärzte die Narkose zurückgefahren um zu sehen, ob die Eigenatmung wieder einsetzen könnte, da er ja seit Samstag an der Lungenmaschiene hing. Er war nicht mehr in der Lage, selbst zu Atmen
- Donnerstag waren meine Schwestern und sein Sohn, wie immer, wieder vor Ort
- Freitag war meine Mutter nochmal bei ihm
- Samstag, den 20. Mai kam nachts um 3 Uhr beim Sohn der Anruf, daß es zu Ende geht. Das Krankenhaus hatte endlich beschlossen, daß der Patient nicht mehr therapierbar ist. Gegen Mittag ist er sanft eingeschlafen, ohne noch einmal das Bewustsein zu erlangen, in Gegenwart von Horst, Beate, Susanne und Pater Pius