hatte gestern meine Freundin. Wie es halt so ist: ein alter, bereits wurzelbehandelter Zahn war am letzten Sonntag in zwei Teile gebrochen und sie hat sich einige Tage lang vor dem Zahnarzt gedrückt, weil sie keine Probleme mit dem Überbleibsel hatte. Am Freitag kam der Schmerz mit Macht. Am Samstag war es auch mit Tabletten nicht mehr auszuhalten. Die Sehnsucht nach dem "Erlöser" war groß, ihr größter Wunsch: der Zahn muß raus.
Da sie hier bei mir nur zu Besuch ist, habe ich herausgefunden, daß es bei uns zwei Alternativen gibt, einen Zahnarzt in einem kleinen Städtchen im Hinterland oder einen Besuch in der Zahnklinik, in Gießen beim zahnärztlichen Notdienst in der Uniklinik.
Instinktiv habe ich die Uniklink gewählt, wir los gefahren, geparkt, Ewigkeiten haben wir gebraucht, bis wir in dem Gebäudepark die richtige Hausnummer gefunden haben. Kein Wunder, wenn 28 direkt neben 39 ist und die 29 dann auf der Straßenseite (sehr schräg) gegenüber in einem anderen Gebäudepark. Durch unterirdische Verbindungsgänge wurden wir geschickt ... lange dauerte es, bis wir das Behandlungszimmer gefunden hatten.
Schnell war sie dran, aber ... Pustekuchen! Der Weg war umsonst. Der zahnärtliche Notdienst stellte sofort fest, daß leider nur noch das Zahnziehen für diesen Zahn möglich ist, die Reste zu winzig, alles entzündet. Aber! Der zahnärztliche Notdienst darf keinen Zahn ziehen, da die Gefahr eines Abbruchs zu groß ist und die Ausstattung an Personal und Mitteln einfach nicht ausreichend ist. Sie konnten nur anbieten, den Zahn mit zweifelhaftem Ergebnis anzuboren bzw. Tabletten gegen den heftigen Schmerz. Sie haben uns geraten, den diensthabenden Notzahnarzt aufzusuchen, der hätte das Recht und evtl. auch die Möglichkeit zu ziehen.
Im Beisein der Ärzte habe ich dann über die Vermittlung die Konkurrenz herausgefunden und angerufen. 18:45 Uhr. "Ja, wir sind noch da, wenn Sie dann bitte sofort kommen könnten?".
Ortsunkundig, äh, Orientierungsunfähig, wie ich nun mal bin, habe ich den BESTENALLERMÄNNER angerufen und um die Routenplanung gebeten. Nach 3x Verfahren und 2x Nachfragen habe ich die Praxis dann endlich gefunden.
Hochmodern ausgestattet! Erstmal die Erklärungen, "Ja klar, die (zahnärztlicher Notdienst in der Uniklinik) dürfen nicht! Haben die geröngt?". Nein, hatten die nicht. Nach dem Bild war schnell klar, der Zahn muß raus, eine weit fortgeschrittene Entzündung war deutlich zu erkennen, der alte Zahn aber stellte sich an den Wurzeln brüchig dar, porös wie Glas.
"Sie haben die Wahl, normaler Weise muß diesen Eingriff ein Kieferchirug machen, da wir, wenn die Wurzel bricht, nicht weiter machen dürfen, dann muß aufgeschnitten werden!". Der Zahnarzt erklärte die Fakten sehr gut, die Risiken, wenn er jetzt loslegen würde, waren gering. Wenn er den Zahn nicht ganz erwischen würde, dann würden sich die Schmerzen nicht vergrößern, der Schaden wäre auch nicht größer, nur müßte halt am Montag nochmal ein Kieferchirurg ran.
Kein Thema, die Freundin wollte den Zahn los sein. Ich war bei der Behandlung dabei, konnte zusehen, wie der Profi sich mit seiner Helferin im Mund ... vergrub, zog und bohrte. Ich kam mir vor, als wenn ich selbst auf dem Behandlungsstuhl sitzen würde.
Ende gut, alles gut, es hat geklappt. Beide Wurzeln kamen in einem Stück heraus, der Zahnarzt hat es echt super gemacht. Und in Zukunft mache ich nicht den Umweg über den zahnärztlichen Notdienst in der Uniklinik. Das kann man gleich lassen!
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